10 Tipps, wie du für dich und dein Kind eine
entspannte Abendroutine schaffst

Es ist wie verhext. Abends, wenn Dein Kind eigentlich zur Ruhe kommen und schlafen soll, dreht es nochmal so richtig auf. Es trödelt, macht nur Quatsch und tut alles, um das ins Bett gehen so lange wie möglich hinauszuzögern.

Und du?
Du bemühst dich, die Regeln, die du eigentlich aufgestellt hattest, umzusetzen. Du bemühst dich um einen freundlichen Tonfall. Und du merkst, dass es irgendwann kippt.
Weil dich die Situation überfordert. Weil du merkst, dass du schon wieder lauter wirst. Weil du noch so Vieles zu tun hättest. Weil du schlichtweg selber total kaputt und müde bist und gerne auch noch ein Stündchen die Füße hochlegen würdest.

Wieviel Schlaf ein Kind benötigt, ist unterschiedlich. Grob gilt aber, dass Kinder im Alter von zwei Jahren etwa 13 Stunden Schlaf brauchen und ab Eintritt in den Kindergarten nur noch 11.
Kein Albern, kein Kitzeln
Im Alter von zwei Jahren sind etwa 13 Stunden Schlaf angemessen, ab dem Kindergartenalter nur noch 11. Stunden. Daher wird ein Kindergartenkind vielleicht nicht von 19 bis 7 Uhr schlafen, weil sein Schlafbedürfnis niedriger ist. Es macht also Sinn, sich die Zeiten anzusehen und notfalls ein wenig zu kürzen.

Wie bei uns Erwachsenen auch, lässt sich unser Verhalten nicht einfach von einem Tag auf den anderen neu programmieren. Es dauert ein paar Wochen, bis wir neue Verhaltensweisen automatisch erledigen. Gib‘ also nicht geich auf und versuche, das neue Muster wirklich ein paar Wochen durchzuhalten. Auch wenn es vielleicht am Anfang anstrengender ist.

Möglicherweise setzt du einiges davon bereits um. Das ist gut, denn dann ist der nächste Schritt gar nicht so groß. Wirklich wichtig ist, dass der Ablauf jeden Abend derselbe ist, denn Kinder lieben Routinen. Durch sie ist alles vorhersehbar und das gibt ihnen Sicherheit und Vertrautheit.

Startklar? Dann kommen hier meine 10 Tipps, damit du möglichst schnell in einen entspannteren Abend starten kannst:

Tipp Nr. 1: Leiste Vorarbeit!
Um müde zu werden, benötigt dein Kind auch Auslastung. Wann immer möglich, sollte dein Kind nachmittags draußen an der frischen Luft spielen. Wenn du keine Spielplätze magst – hey, kein Problem. Es gibt trotzdem so viel zu entdecken. Hier ein paar Ideen:
Balanciert auf Mauern, sammelt bunte Blätter und Kastanien, zieht im Winter, wenn es früh dunkel wird, durch die Straßen und schaut euch die weihnachtliche Beleuchtung in den Fenstern an

 

Tipp Nr. 2: Dreh den Pegel runter!
Spätestens eine Stunde vor dem Schlafengehen sollte dein Kind nicht mehr durch die Gegend toben. Kein Auskitzeln, kein Herumgealbere.

 


Der eigentliche Trick ist das Kuscheln. Man lege sich dazu in ein abgedunkeltes Zimmer. Still sollte es sein, aber nicht zu still. Wenn im Nebenzimmer leise gesprochen wird oder der Fernseher läuft, kann das sogar ganz hilfreich sein. Seitenlage mit dem Rücken des Kindes am eigenen Bauch ist zu empfehlen. Das Kind muss in der Lage sein, eure Atembewegungen zu spüren. Wenn das Kind loskrabbeln will, wird es mit sanften Nachdruck wieder in die Kuschelposition gebracht. Es kann nicht schaden, die allzusehr strampelnden Ärmchen und Beinchen SANFT festzuhalten. Es geht nicht darum, dass Kind in seiner Freiheit einzuschränken, sondern ihm zu signalisieren, dass jetzt nicht die Zeit zum Toben ist. Irgendwann begreift das Kind, was man von ihm will. Auch hier gilt: keine Gespräche, kein Lachen und auch kein Streicheln. Ziel ist es, den sensorischen Input des Kindes auf ein Minimum zu reduzieren.
Der Mittagsschlaf sollte spätestens im Grundschulalter durch eine kurze Pause ersetzt werden. In Ruhe eine CD hören, ein Buch lesen

Spätestens eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen keine hektischen Spiele mehr, keinen Fernseher oder Hausaufgaben.
Schlafumgebung liebevolle heimelig kuschelig wohlgefühl Deinem Kind das Einschlafen einfacher machst Sicherheit geben

Generell – jede Familie ist anders
Vertraue auf Deine Intuition, wähle die Dinge aus, mit denen Du…die zu euch passen. Keine starren Regeln.
Jedes Kind ist anders, braucht andere Impulse, um daran zu wachsen.
Das eine Kind benötigt ein Schlaflicht, während das andere im Dunkeln tief und fest schläft. Das eine erwacht, sobald der Schnuller rausfällt,
Lass Dich nicht beirren. Ich will Dich ermutigen, Deinen Weg zu gehen, denn den einen Weg gibt es nicht.
Daher sind meine 10 Tipps auch keine Anleitung, die Du 1:1 umsetzen sollst, sondern Ideen, die es Dir und Deinem Kind möglicherweise schöner und stressfreier machen.
Runter regeln
Schlaflied singen
Kuscheln, Rücken kraulen

Wichtig ist, dass der Ablauf immer derselbe ist. Kommen die Kinder noch einmal aus den Betten heraus, werden sie mit ruhiger bestimmter Stimme wieder zurückgeschickt. Notfalls kann man auch hier mit einem Aufkleber-Belohnungssystem arbeiten.
In puncto Zubettgehzeit konsequent bleiben. Unter der Woche Unterschied zum Wochenende? Ausnahmen Weihnachten, Geburtstage der Kinder, Silvester

Mit ruhiger, leiser Stimme sprechen.
Ältere Kinder – Sachen für den nächsten Morgen packen, Klamotten aussuchen, Wetter nachsehen, nach dem Abendessen möglichst keinen Fernseher mehr. Wenn sich die älteren Kinder mit dem Ausziehen beeilen, kann man mit einem Belohnungssystem arbeiten. Bei sechs Aufklebern gibt es einen Buntstift oder einen Bogen Aufkleber.
Macht es euch gemütlich
Kleine Nachttischlampe / Nachtlicht
Aufs Bett kuscheln
Vorher Zähne putzen und Toilette. Zähne putzen ohne Diskussion. Notfalls mit Zahnputzlied oder Zahnputzgeschichte. Bei größeren Kindern immer nochmal nachputzen.
Evtl. die Tür ran und oder das Licht im Flur aus – kein direktes Licht mehr – Serotonin
Kind das Buch mit auswählen lassen
Keine super aufregenden Geschichten mehr. Lieber eine kleine, in sich geschlossene Geschichte mit Happy End. Nicht spannend. Insbesondere bei kleinen Kindern wichtig.
Ein wie war Dein Tag – was war schön und was nicht (umgekehrt)
Hinterher Kuss und Kuscheln

Wenn das Kind schläft, muss es nur noch ins eigene Bett getragen werden…
Kind ins eigene Bett tragen

Jetzt muss das Kind ins eigene Bettchen. Eltern mit Familienbett haben hier einen Vorteil – das Kind liegt dann schon im richtigen Bett. Ansonsten nehme man das Kind auf, trage es zum Kinderbettchen und lege es ab – alles in einer sanften, gleitenden Bewegung. Abgehackte oder ruckartige Bewegungen führen zum Aufwachen und müssen unbedingt vermieden werden! Sodann schleiche man sich vorsichtig raus und hat es geschafft. Sollte das Kind aber doch aufwachen, lege man sich wieder aufs Bett und fange von vorn an.

Nun höre ich einige Eltern sagen:“Aber meine Kinder sind immer erst so spät müde!“ – Da bringt es sicher nichts, das Kind mit oben genannter Methode schon um 18 Uhr ins Bett bringen zu wollen. Hier empfehle ich, erstmal das bereits erwähnte Ritual aufzubauen – und zwar zu der Zeit, wo das Kind normalerweise müde wird. Wenn das Kind sich daran gewöhnt hat, fange man mit dem Ritual jeden Tag (oder jeden zweiten) etwas früher an, bis man die normale Einschlafzeit erreicht hat. Wenn das Kind dazu neigt, nachts aufzuwachen und noch mal eine Spielrunde einzulegen, sollten die Eltern in dem Moment furchtbar müde werden und so dem Kind signalisieren, dass jetzt Schlafenszeit ist.

Ich gebe zu, das alles hat nicht immer geklappt, aber es war doch sehr oft innerhalb von 20 bis 30 Minuten Ruhe. Noch ein kleiner Tipp zum Schluss: Wenn die Kinder größer sind und langsam allein Einschlafen sollen, könnt ihr ja dem Kind gegenüber ab und zu mal beiläufig erwähnen, dass Kinder in diesem Alter das ja eigentlich schon allein können. Dann kuschelt ihr einfach weiter. Über kurz oder lang wird der Stolz die Oberhand gewinnen und das Kind wird das alleine Einschlafen selbst einfordern. Das klappt natürlich nicht immer, sollte aber auch schon beim Versuch stark gelobt werden. Und wenn es das erste Mal richtig geklappt hat, muss das gefeiert werden!

Einschlaftraining ist eine diffizile Angelegenheit, das gebe ich zu. Die Schlafgewohnheiten des Kindes und das elterliche Ruhebedürfnis stehen da oft im Konflikt. Ich bin aber fest der Meinung, dass der kindliche Schlafrhythmus mit ein wenig Geduld und viel Liebe so steuerbar ist, dass auch die Eltern irgendwann wieder friedliche Abende zusammen verbringen können – auch mit kleinen Kindern.

Wenn es Abend wird